Flasche leer?

Herstellung von Textilgarnen aus PET-Flaschen

Das Unternehmen Trevira stellt in Guben aus recyceltem Polythyletnterephtalat (PET) Textilgarne her, die sich in Aussehen und Qualität nicht von Neuware unterscheiden.

Die Regenjacke ist knallrot, wasser- und winddicht und sieht aus, als könnte sie auch einem Wintertag an der Ostsee standhalten. Tim Biemelt arbeitet in der Entwicklung bei Trevira und präsentiert die Jacke in der Produktionshalle in Guben. Doch es geht nicht um die neueste Kollektion an Funktionskleidung, sondern um das Garn, aus dem die Jacke hergestellt wurde: Trevira stellt es komplett aus recycelten PET-Flaschen her.

„Als Wissenschaftler, aber auch als Konsument habe ich mir schon lange die Frage gestellt, wie wir mit den Ressourcen unseres Planeten sorgsamer umgehen können“, erzählt Biemelt. „Es macht Sinn, Produkte so zu planen und zu optimieren, dass sie einer Kreislaufwirtschaft zugeführt werden können.“

Bei Trevira setzt Biemelt am Ende des ersten Lebenszyklus einer PET-Flasche an – diese wird beim Mutterkonzern Indorama regranuliert und seit Jahren in konstant hoher Qualität geliefert. „Das Etikett, das bei den meisten handelsüblichen Flaschen dran ist, besteht meistens nicht aus Polyethylen, genauso wenig wie der Deckel. Die müssen also vor dem Recyclingprozess abgemacht werden“, so Biemelt. Die Flaschen werden zudem nach Farben sortiert, um ein möglichst einheitliches und nur leicht verfärbtes Granulat zu gewinnen.

Im Spinnverfahren wird dieses Granulat in der Produktion in Guben mit sehr hohem Druck durch eine Düse gepresst, aus der ein Multifilamente gezogen wird. Dieses wiederum kann während des Spins über diverse Additive direkt eingefärbt werden. „Diese Verarbeitung führt letztendlich dazu, dass ich ein Garn erhalte, das in den textilen Eigenschaften völlig identisch ist mit einem Garn, welches aus frischen Polyester hergestellt wird“, erklärt Biemelt. Nach dem Spinnverfahren wird dem Garn noch die gewünschte Textur verliehen, damit man es zum Weben, Wirken oder Stricken verwenden kann.

Der Preis für das wiederaufbereitete Garn hat sich in den letzten Jahren stark der Neuware angenähert. Es gibt immer noch einen kleinen Preisaufschlag durch die aufwendigere Verarbeitung, dafür könnte man aber durch Marketing einen Ausgleich erzielen.

In Brandenburg sieht sich Trevira als Vorreiter der Produktion von Textilgarnen aus Recyclaten und biobasierten Kunststoffen. „Für das Land Brandenburg ist es sehr vorteilhaft, das wir neue Wege beschreiten“, so Biemelt. Andererseits bietet das Land auch zahlreiche Vorteile wie Netzwerke für innovative Unternehmen und Forschungszentren, Förderprogramme und eine gute Infrastruktur. „Bürokratische Hürden sind allerdings hierzulande auch vorhanden“, so Biemelt. „Beim manchen Projekten könnten wir noch viel mehr erreichen, wenn der bürokratische Aufwand niedriger wäre.“

Trotz kleinerer Hindernisse blickt er optimistisch in die Zukunft. „Es gibt nicht nur immer mehr politischen Druck im Hinblick auf das Recycling, auch die Verbraucher fragen explizit nach nachhaltigen Produkten“, so Biemelt. Es sei auch der Mannschaft in Guben ein Anliegen, ihren Beitrag zur Schonung der natürlichen Ressourcen beizutragen. „Letztlich haben auch wir ein gutes Gefühl, wenn wir dem Kunden ein nachhaltiges Produkt anbieten.“

Menü