Eine gute Woche vor dem Beschluss des Klimaschutzgesetzes im Klimakabinett am 20. September lud der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) zu einem parlamentarischen Abend in Berlin ein. Das Thema: Wie kann die Kreislaufwirtschaft zum Klimaschutz beitragen?

Die Antwort: Indem Kreisläufe geschlossen und Ressourcen effizient genutzt werden können CO2- und weitere Treibhausgasemissionen gesenkt werden, so Olaf Tschimpke, Nabu-Präsident, zur Begrüßung. Bei der Verwendung von Recycling-HDPE, zum Beispiel in Shampoo-Flaschen, werde nicht nur Material, sondern auch Energie eingespart, ergänzte Sascha Roth, Referent für Umweltpolitik beim Nabu. So tragen Gegenstände aus Recyclingmaterial ebenfalls zur Vermeidung von CO2-Emissionen bei, wie auch eine Untersuchung des Unternehmens ESE GmbH aus Brandenburg zeigt.

Männlicher Redner vor Auditorium
Herwart Wilms, Geschäftsführer der Remondis Assets & Services GmbH & Co. KG beim parlamentarischen Abend des NABU am 10.09.2019 in Berlin

Die Kreislaufwirtschaft könne einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, die Emissionen zu senken, so Herwart Wilms, Geschäftsführer der Remondis Assets & Services GmbH & Co. KG. „Es würde sich lohnen, sich auf den Weg zu machen“, fordert er zu Beginn der Veranstaltung.

Durch ein effizienteres Sammel- und Trennsystem für Abfälle könne man sich zudem die teure Sanierung älterer Müllverbrennungsanlagen sparen, die in den nächsten Jahren anstehe. Das zeigt eine Studie, die das Öko-Institut im Auftrag des Nabu erstellt hatte und die auf der Veranstaltung präsentiert wurde.

Allein durch das Sammeln und Aufbereiten von Deponiegas können Emissionen des Treibhausgases Methan verringert werden. Ein wichtiger Schritt in Richtung Klimaschutzziele, so Wilms. Hier sei es wichtig, den bestehenden gesetzlichen Rahmen voll auszuschöpfen, meint Dr. Karsten Sach, Abteilungsleiter Klimaschutz im Umweltministerium. Zur Rolle der Kreislaufwirtschaft im Entwurf zum Klimaschutzgesetz wollte er sich noch nicht öffentlich äußern, bremste aber zu hohe Erwartungen: „Es wird keine Kreislauf-Revolution geben.“

Das Geschäftsmodell von Remondis basiert inzwischen hauptsächlich auf der Herstellung von Recycling-Rohstoffen. Entsprechend habe das Unternehmen Interesse an Maßnahmen, die das Aufbereiten von Reststoffen wirtschaftlicher und transparenter machen als die Verwendung von Neuware. Dazu fordere man mehr Anstrengungen im Produktdesign, ein verständliches Kennzeichnungssystem für Industrie und Verbraucher sowie Vorgaben für öffentliche Beschaffungsverfahren, so Wilms.

Auch Michael Thews, SPD-Abgeordneter im Bundestag, fordert mehr Transparenz für Verbraucher. Eine CO2-Steuer würde auch den Kauf von Produkten aus Primärmaterialien teurer machen und so die Konsumenten zum Umdenken bewegen. Dagegen hielt Lisa Badum, die für die Grünen im Bundestag sitzt, dass es für den Normalverbraucher im Alltag sehr schwer sei, Plastik und Verpackungsmaterial zu vermeiden. Sie plädiert dafür, die Industrie in die Pflicht zu nehmen.

Am Ende der Veranstaltung ist klar: Das Zeitfenster ist angesichts der Klimaschutzdebatte günstig, konkrete Maßnahmen für eine konsequente Kreislaufwirtschaft zu ergreifen. Es gelte nun, die Beharrungskräfte auf Seiten der Industrie, der Verbraucher und der Politik zu überwinden – keine leichte, aber eine lohnenswerte Aufgabe.

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