Kunststoff-Recycling in Berlin-Brandenburg – Quo vadis?

Eine Umfrage des Clusters Kunststoffe und Chemie der Wirtschaftsförderung Brandenburg zeigt, wie Berliner und Brandenburger Unternehmen aus der Kunststoffindustrie ihre Abfälle verwerten. Die Umfrage verdeutlicht zudem, welche Hindernisse für eine verbesserte Kreislaufwirtschaft die Betriebe derzeit sehen und welche Anreize sie dafür in Zukunft als sinnvoll betrachten.

2 Millionen Tonnen – so viel Rezyklat verwendete die kunststoffverarbeitende Industrie 2019 in Deutschland. Damit betrug ihr Anteil an der verarbeiteten Kunststoffmenge deutschlandweit 13,7 Prozent. Wie Berliner und Brandenburger Unternehmen aus dieser Branche Rezyklat gewinnen und verwenden, zeigt die Umfrage des Clusters Kunststoffe und Chemie der Wirtschaftsförderung Brandenburg.

Kunststoff-Recycling in Berlin und Brandenburg

Ziel der Umfrage war es, zu ermitteln, wie die Kunststoffverarbeiter in der Region ihre Abfälle verwerten und welche Maßnahmen aus ihrer Sicht notwendig sind, um mehr Produktionsreste zu recyceln. Dazu befragte das Cluster im Sommer 2020 kunststoffverarbeitende Betriebe. Grundsätzlich zeigt die Umfrage: Nahezu alle der insgesamt 43 Teilnehmer sehen in der Wiederaufbereitung ihrer Abfälle eine große Chance, um Umweltressourcen zu schonen. Zudem bedeutet der vermehrte Einsatz von Rezyklaten für sie auch ein sauberes Image.

Verwertung des Produktionsabfalls

Neben dem Ausschuss als wesentliche Ursache für Abfall gaben die Unternehmen Produktwechsel, Rezept- oder Farbwechsel und Materialreste als Ursachen an. Eine Überproduktion spielt aus ihrer Sicht nahezu keine Rolle. Die Möglichkeiten, Produktionsabfälle zu vermindern, sehen die Unternehmen allerdings als nahezu ausgeschöpft.

Ihre Abfälle verwerten die Hersteller von Kunststoffprodukten in Berlin-Brandenburg vorwiegend thermisch und werkstofflich weiter: Fast die Hälfte der Betriebe lässt über 40 Prozent ihres Abfalls durch externe Dienstleister verbrennen. Mehr als die Hälfte der Befragten führt über 30 Prozent seiner Produktionsreste einer werkstofflichen Verwertung zu. Dafür geben die Betriebe ihren Abfall an andere Firmen, die ihn zu Mahlgut oder Granulat aufbereiten, welches bei der Produktion von Neuware eingesetzt wird.

Eine Wiederverwendung von Materialien aus eigenen Abfällen in der Produktion findet in knapp 40 Prozent der Unternehmen statt: Diese recyceln ihre Materialreste, um sie ohne Aufbereitung wieder im Fertigungsprozess einzusetzen. Deutlich weniger Betriebe nutzen die Option, die Abfälle aufzubereiten, um sie wieder in die Produktion zu integrieren. Dafür bereiten sie oder ein externer Dienstleister das Mahlgut zum Beispiel trocken oder nassmechanisch auf. Eine andere Möglichkeit ist die Extrusion von Materialen: Der Kunststoff wird geschmolzen und gegebenenfalls mit Additiven versetzt, woraus Re-Granulat hergestellt wird.

Hindernisse für einen höheren Einsatz von Rezyklat

Die meisten befragten Betriebe sehen einen Mangel an sortenreinen Abfallmengen als Hindernis dabei, mehr Produktionsreste zu recyceln. Je heterogener die Menge, desto aufwendiger ist die Wiederaufbereitung, da Stoffe hierfür oftmals getrennt werden müssen. Zudem sehen viele Hersteller ein Problem in der Qualität von Rezyklaten: Ein höherer Rezyklatanteil könne so die Eigenschaften von Produkten negativ beeinflussen.

Auf dem Weg zu einer besseren Kreislaufwirtschaft sehen die Unternehmen zwei weitere Hindernisse: die Einbindung neuer, komplexer Prozesse in die Produktion sowie hohe Investitionskosten hierfür.

Anreize für zusätzliches Recycling

Eine verbesserte Qualität von Rezyklaten erhoffen sich die befragten Betriebe durch wissenschaftliche Fortschritte. Eine weitere Chance sehen sie in der Vernetzung von Unternehmen untereinander, um so neue Wertschöpfungsketten zu bilden. Diese könnten ein gemeinsames Recycling erleichtern. Außerdem wünschen sich die Kunststoffverarbeiter eine Unterstützung durch Förderprogramme, um ihre Produktion auf einen vermehrten Einsatz von Rezyklaten umzustellen.

Alle Ergebnisse der Recycling-Umfrage finden Sie hier.

Weiteres Vorgehen: Maßnahmen an Bedarf anpassen

Im nächsten Schritt möchte das Clustermanagement die konkreten Bedarfe der Unternehmen ausmachen, um mehr Produktionsabfälle wiederzuverwenden. Dafür ermittelt das Cluster: Welche Informationen über Recyclingverfahren oder dafür bestehende Dienstleistungen benötigen die Unternehmen? Wie sollte nach Ansicht der Betriebe ein regionales Recycling-Netzwerk gebildet werden und welche Forschungsansätze halten sie für wichtig?

Ausgehend von diesen Fragen verfolgt das Clustermanagement das Ziel, unterstützende Maßnahmen für die Unternehmen zu erarbeiten, damit sie den Wiedereinsatz von Kunststoffmaterialien aus Produktionsabfällen weiter erhöhen.

Wenn Sie im künftigen Recycling-Netzwerk mitarbeiten möchten, melden Sie sich bei:

Kerstin Dohrmann
Cluster Kunststoffe und Chemie Brandenburg
Wirtschaftsförderung Brandenburg
kerstin.dorhmann@wfbb.de

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