Nachhaltiges Wirtschaften mit Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt – ein Interview mit Dr. Maximilian Hempel

„Unsere Referenten und Referentinnen sind eine Besonderheit der Stiftung. Sie verstehen sich als Partner der Antragsteller“

Dr. Maximilian Hempel ist bereits 18 Jahre bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt tätig. Seit 2019 leitet er die Abteilung „Umweltforschung und Naturschutz“. Er ist unter anderem für die Themen „Kreislaufführung und effiziente Nutzung von umweltkritischen Metallen und mineralischen Reststoffen“ und „Naturschutz und nachhaltige Naturnutzung in Nutzlandschaften und Schutzgebieten“ zuständig.

Für Betriebe ist es nicht immer einfach, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit zusammen zu bringen. Wie unterstützt die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) die Wirtschaft darin?

Maximilian Hempel: Wir sind eine Stiftung, die sich den aktuellen Umweltproblemen widmet und nach Lösungswegen sucht. Aus unserer Sicht geht das nur gemeinsam mit der Wirtschaft. Es ist ein altes Narrativ, dass sich Ökologie und Ökonomie im Weg stehen. Ich teile diese Einschätzung nicht. Wenn ich mir anschaue, wie erfolgreich einige Umweltunternehmen sind, dann deckt sich das nicht.

Wie sieht die konkrete Unterstützung der DBU für Firmen aus?

Maximilian Hempel: Wir sind eine fördernde Stiftung mit etwas über zwei Milliarden Euro Kapital. Da wir vom Bund als Stiftung bürgerlichen Rechts gegründet wurden, verfügen wir über unser eigenes Geld und sind unabhängig von Ministerien oder anderen Einflüssen. Die DBU fördert mittelständische Betriebe, indem sie ihnen einen nicht rückzahlbaren Zuschuss gewährt. Wir haben gelernt, dass der Erfolg von Projekten unter anderem davon abhängt, wie sehr sich die Partner selbst engagieren; also auch eigene Ressourcen mit in die Waagschale werfen und in den Projektumfang mit einbauen. Daher beteiligen wir uns bei Unternehmen in der Regel mit 50 Prozent an den Projektkosten.

Welche Projektkosten übernimmt die DBU?

Maximilian Hempel: Die Stiftung unterbreitet ein finanziell attraktives Angebot. Bei der Berechnung der Kostenbasis eines Projekts fließen Bruttoarbeitsentgelte, Sachkosten, Aufträge an Dritte, Reisekosten und gegebenenfalls noch ein Overhead mit ein. Die Faustregel ist: Wir summieren alle Projektkosten und ziehen einen großen Strich darunter. Wir zahlen die eine Hälfte, der Betrieb die andere.

Wer ist berechtigt bei Ihnen einen Antrag zu stellen?

Maximilian Hempel: Unsere Hauptzielgruppe sind Unternehmen der mittelständischen Wirtschaft mit tollen innovativen und umweltfreundlichen Projektideen. Außerdem unterstützen wir Kooperationen mit Forschungseinrichtungen und Verbänden oder zwischen mehreren Betrieben. Denkbar ist zum Beispiel, dass Firmen entlang der Lieferkette ein innovatives Projekt anstoßen. Wir fördern aber keine reinen Investitionsvorhaben oder Grundlagenforschung.

Steht also die Innovation mit der Umsetzung in die Praxis im Vordergrund?

Maximilian Hempel: Ja, der Umsetzungsbezug muss immer gegeben sein. Solange es die Stiftung gibt, seit fast 30 Jahren, wurden die drei Hauptkriterien nie verändert: Innovation, Modellhaftigkeit und Umweltentlastung. Modellhaftigkeit heißt, die Innovation darf nicht nur an einem Betriebsort oder in einem Unternehmen funktionieren. Das sind die drei Kriterien, die eigentlich immer gelten.

Inwieweit ist es für eine erfolgreiche Antragstellung wichtig, sich inhaltlich bei den Themen aus den Förderrichtlinien der DBU zu verorten?

Maximilian Hempel: Für uns sind nicht in erster Linie methodische Zugänge wichtig. Im Vordergrund sollte die Frage stehen, welchen Beitrag eine Projektidee zur Lösung eines Umweltproblems leistet. Die Entwicklung eines Kreislaufsystems von betrieblichen und außerbetrieblichen Kunststoffabfällen würde man unter dem Förderthema Kreislauf einordnen. Wenn eine Firma einen Weg gefunden hat, Thermoplasten deutlich energieeffizienter zu fertigen, dann wäre das eher ein Energiethema. Aber Antragssteller sollten sich nicht allzu sehr von den Themen in den Förderrichtlinien lenken lassen. Ein sehr großer Teil der Fördermittel, 20 Prozent, ist thematisch ungebunden. Wichtiger als eine inhaltliche Einordnung sind die bereits genannten Kriterien für ein Projekt: innovativ, modellhaft und umweltentlastend. Wenn jemand diese Kriterien bei seiner Idee erfüllt sieht, dann soll er uns einfach kontaktieren. Wir beraten ihn gerne, ob sich das Projekt besser für den offenen oder einen thematischen Förderbereich eignet.

Mit welchen Programmen fördern Sie die Unternehmen?

Maximilian Hempel: Wir haben für Unternehmen zwei Förderwerkzeuge: ein Green Start-up Sonderprogramm, das relativ neu ist, und die klassische Projektförderung für Betriebe. Das Green Start-up Sonderprogramm richtet sich gezielt an Firmen, die in der Gründungsphase oder nicht älter als fünf Jahre sind. Wir bieten ihnen eine umfangreiche Beratung und Begleitung während der Laufzeit des Projekts. Außerdem begleiten wir sie mit Coaching- und Mentoring-Angeboten. Doch schon seit Stiftungsgründung wenden wir uns mit unserer klassischen Projektförderung an Unternehmen. In der Regel bewerben sich mittelständische Betriebe oder Kooperationsprojekte, deren Vorhaben zwölf bis 36 Monate andauern und die dafür ein Fördervolumen zwischen 100.000 und 400.000 Euro von uns erhalten. Außerdem binden wir die geförderten Unternehmen in das DBU-Netzwerk ein. Wir haben mittlerweile fast 10.000 Projekte in den letzten 30 Jahren gefördert. Das ergibt ein interessantes nationales Netzwerk.

Für wen ist die Unterstützung der DBU besonders interessant?

Maximilian Hempel: Unsere Förderung ist für jene Firmen attraktiv, die keine eigene Abteilung für Forschung und Entwicklung haben. Aber sie ist auch für Unternehmen vielversprechend, die eine Innovation umsetzen möchten, die über ihr übliches Geschäftsfeld hinausgeht. Nehmen wir an, ein Betrieb hat eine spannende Idee zur Umweltentlastung und hat schon den einen oder anderen Vorversuch gemacht. Die Idee ist tragfähig, aber die Geschäftsführung merkt, dass die Mittel fehlen, sie zu realisieren. Dann ist dieses Projekt bei uns richtig aufgehoben.

Sie hatten bereits betont, dass die DBU Kooperationsprojekte fördert. Unterstützt die DBU Betriebe auch darin, einen Projektpartner zu finden, wenn dieser noch fehlt?

Maximilian Hempel: Es ist zwar nicht unsere klassische Aufgabe, aber manchmal gelingt uns das. Wir empfehlen Unternehmen erst einmal in den eigenen regionalen Netzwerken zu suchen. Die Hochschulen in der Region können beispielsweise gute Kooperationspartner sein.

Manche Firmen schreckt der Umfang der Antragstellung ab, sich um eine Förderung zu bemühen. Wie aufwendig ist eine Bewerbung bei der DBU?

Maximilian Hempel: Das einfachste ist wirklich anzurufen, die Projektidee am Telefon kurz zu erläutern und sich eine erste Einschätzung abzuholen. Unsere Kollegen und Kolleginnen sind mit den Themen, für die sie verantwortlich sind, auf der Internetseite gut zu finden.

Das heißt, am Telefon werden die Betriebe beraten, ob ihre Projektidee grundsätzlich Aussicht auf Erfolg hat?

Maximilian Hempel: Ja, unsere Referenten und Referentinnen sind eine Besonderheit der Stiftung. Sie verstehen sich als Partner der Unternehmen und beraten sie. Bei anderen Fördereinrichtungen wie Ministerien ist es manchmal so, dass ein direkter Austausch mit dem Bewerber nicht unterstützt wird. Wir gehen genau anders vor: Wir empfehlen den Interessenten, sich bei uns zu melden und die Idee zu erläutern. Wir können dann schon erste Hinweise geben, ob es sinnvoll ist, einen Antrag einzureichen, oder welche Herausforderungen vorher noch gelöst werden müssen. Das sind sehr hilfreiche Angebote vonseiten der Stiftung. Die Beratung erhöht die Chancen auf eine spätere Förderung.

Was ist der nächste Schritt nach einem Telefonat?

Maximilian Hempel: Die nächste Stufe ist es, eine Skizze einzureichen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich kleine und mittelständische Unternehmen mit der Antragstellung manchmal schwer tun. Deswegen soll auf der Skizze nur in drei bis fünf Seiten die Idee zusammengefasst werden. Die Minimalanforderungen dazu sind auf unserer Homepage zu finden. Wir nehmen die Skizze als Bewertungsgrundlage und geben innerhalb weniger Wochen eine Rückmeldung. Wenn wir sie positiv bewerten, ist der Projektantrag der nächste Schritt. Dieser ist zwar umfangreicher, aber die Chance ist dann sehr hoch, dass die DBU ihn am Ende bewilligt.

Wie stehen die Erfolgsaussichten bei einer Bewerbung?

Maximilian Hempel: Die Chancen stehen recht gut. Ungefähr ein Drittel der eingereichten Skizzen führt später zu einer Projektförderung. Beim letzten Schritt, der Antragstellung nach positiv bewerteter Skizze, sieht es noch besser aus.

Haben in den letzten Jahren Projektideen zur Nachhaltigkeit aus Brandenburg die DBU überzeugt?

Maximilian Hempel: Eine Innovation, von der ich sehr beeindruckt bin, kommt von WP Systems GmbH in Ruhland. Ich habe das Projekt etwa vor einem halben Jahr selber besucht. Das ist ein relativ junges Unternehmen, das wir seit Juli 2018 mit dem Projekt „Maschine zum umweltschonenden Rückbau von Betontürmen von Windenergieanlagen“ fördern. Der Hintergrund ist, dass wir rund 30.000 Windkraftanlagen in Deutschland haben. Ein Großteil von ihnen kommt jetzt in die Jahre. Es stellt sich die Frage des Repowering, also ob an den Standorten größere Anlagen entstehen sollen. Dafür müssen die alten Betontürme abgebaut werden. Von den 30.000 Anlagen sind 8.000 auf einem Spannbetonturm montiert, für die es noch keine vernünftige Rückbautechnik gibt. WP Systems entwickelt eine Technologie dafür. Das Vorhaben läuft noch bis Sommer nächsten Jahres. Wir hoffen dann, dass sie so weit sind, Spannbetontürme effizient, umweltschonend und vor allem schnell rückzubauen. Und damit kommen wir zurück auf den Widerspruch, den es aus meiner Sicht nicht gibt: zwischen Ökologie und Ökonomie. Denn es geht hier um ein umweltfreundliches Verfahren, das ökonomische Vorteile hat.

Haben Sie noch ein Beispiel aus einem anderen Bereich?

Maximilian Hempel: Gerade haben wir in Brandenburg ein interessantes Projekt des Instituts für Getreideverarbeitung GmbH bewilligt. In Bergholz-Rehbrücke entwickeln sie ein Plasma-Aufschlussverfahren für bioaktive Inhaltsstoffe aus Mikroalgen. Algen sind die Hoffnungsträger für viele Anwendungen. Sie wachsen unheimlich schnell, viel schneller als Pflanzen. Sie könnten damit einen wichtigen Beitrag für die Ernährungssicherung und für Biopolymere leisten. Das zentrale Problem ist, wie man an die Inhaltsstoffe der Mikroalgen herankommt. Wir unterstützen das Institut für Getreideverarbeitung dabei seit dem 1. Mai diesen Jahres mit einer Förderung von rund 400.000 Euro.

Was würden Sie einem Unternehmer raten, der noch zögert, einen Projektantrag zu stellen?

Maximilian Hempel: Einfach zum Telefonhörer greifen. Viele Firmen sind von dieser Möglichkeit überrascht. Sie erhalten von uns ein schnelles Feedback, ob eine Unterstützung durch uns möglich ist oder sie vielleicht besser bei einem anderen Förderer aufgehoben sind. Wir haben bei vielen Themen einen guten fachlichen Überblick. Wir wissen, welche ähnlichen Projekte gerade umgesetzt werden und was der Stand der Technik ist.

Das Interview führte Simon Behnisch/Sunbeam Communications im Auftrag der Kampagne „Nachhaltig heute in Brandenburg“.

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